Bitte helfen Sie!

Für die Unterstützung von (Roma-)Familien, denen nach der Rückkehr oder Abschiebung aus Deutschland Obdachlosigkeit, Mittellosigkeit oder andere Not droht, sammeln wir weiter Spenden. Wir unterstützen mit Beiträgen für den Lebensunterhalt und geben nach Möglichkeit Zuschüsse für Holz für den Winter, Strom, Baumaterialien, Medikamente und anderes Überlebensnotwendiges. Wir geben darüber hinaus Zuschüsse oder Kleinkredite, um eine nachhaltige eigenständige Sicherung des Lebensunterhalts möglich zu machen. Helfen Sie uns, dies möglich zu machen: Bitte spenden Sie auf

Andreas Linder, GLS Bank,  IBAN: DE55 4306 0967 7007 8401 00, BIC: GENODEM1GLS
Verwendungszweck: Romaprojekt. Spenden sind steuerlich nicht absetzbar

Petition „Bleiberecht für Istvan Farkas“

2015-09 farkas3 Petition im Landtag eingereicht – Unterstützen Sie die Online-Petition!

Zur Online-Petition

Istvan Farkas ist ein 52-jähriger politisch aktiver Roma aus Serbien. „Ich bin kein Asylbewerber zweiter Klasse“ schrieb er auf ein Schild, als er im September 2015 vor der Geschäftsstelle des Flüchtlingsrats Baden-Württemberg demonstrierte. An diesem Tag und bei vielen anderen Veranstaltungen prangerte Istvan Farkas laut und öffentlich die Diskriminierung von Roma in Serbien und überall in Europa an. Im August 2013 floh er nach Deutschland und stellte einen Asylantrag. Er wollte als politischer Flüchtling anerkannt werden und legte eine ausführliche Begründung vor. Doch auch sein Asylantrag wurde als „offensichtlich unbegründet“ abgelehnt. Selbst reichte er Klage und Eilantrag beim Verwaltungsgericht Sigmaringen ein und legte eine umfangreiche Begründung vor. Doch das VG Sigmaringen stellte im Oktober das Gerichtsverfahren ohne Verhandlung ein. Jetzt ist Istvan Farkas akut von Abschiebung bedroht. Auch Serbien wurde im November 2014 zum „sicheren Herkunftsstaat“ erklärt.

Mit Ihrer Unterschrift unterstützen Sie eine Petition an den Landtag von Baden-Württemberg mit fast gleichem Wortlaut wie diese Online-Petition. Die Unterzeichner/innen wollen erreichen, dass Herr Farkas nicht nur vor einem Leben in Obdachlosigkeit im Winter, sondern auch vor weiterer rassistischer Diskriminierung und einem perspektivlosen Leben in Serbien bewahrt wird.

Interview mit Istvan Farkas: „Der einzige Grund ist, dass ich Roma bin“: 2016-01 Informationen Petition Farkas oe
Facebookseite von Istvan Farkas (Serbisch): https://www.facebook.com/Dokumenti-slam-za-emigranta-720803584665488/ oder https://www.facebook.com/slam1236

 

Eindrücke von Besuchen bei zwangsrückgekehrten Romafamilien auf dem Balkan

Von Michaela Saliari

Im Jahr 1991, als die Jugoslawienkriege wüteten, suchten viele Menschen Schutz in Mitteleuropa, darunter auch viele Roma. Schon damals lernte ich mehrere Familien kennen, die ich auf Anhieb mochte. Es waren freundliche Menschen, die mich jederzeit herzlich-warm willkommen hießen.
Durch all die vielen Gespräche mit ihnen und anderen hier lebenden Roma, durch Erlebnisse bei Besuchsreisen nach Serbien und Mazedonien sowie durch die theoretische Auseinandersetzung mit den Themen „Roma“ und „Antiziganismus“ formte sich in mir ein Bild. Das habe ich auf einer Reise auf den Balkan Anfang Oktober aufgefrischt.
Wir wollten uns bekannte Familien besuchen und deren Lebenssituation nach der erzwungenen Rückkehr dokumentieren und herausfinden, ob und in welcher Form man sie längerfristig unterstützen könnte und ihnen mit Geld-, Medikamenten- und Kleiderspenden die aktuelle Lage erleichtern.
Ein weiterer Plan war, die Situation der Transitflüchtlinge an den EU-Außengrenzen in den Blick zu nehmen. Wir sammelten warme und wetterfeste Kleidung, Schuhe und Decken, um sie den Transitflüchtlingen zu bringen.

Mit zwei Kleinbussen, voll gepackt Weiterlesen Eindrücke von Besuchen bei zwangsrückgekehrten Romafamilien auf dem Balkan

Roma haben kein sicheres Herkunftsland – Informationsveranstaltungen zu unserer Reise

Eine Gruppe von Engagierten aus der Flüchtlingshilfe aus Baden-Württemberg reiste im Oktober 2015 10 Tage lang nach Serbien und Mazedonien. Sie besuchten von der Gruppe in Deutschland unterstützte rückgekehrte oder abgeschobene ehemalige Asylsuchende und dokumentierten die Lebensbedingungen, die in diesen zu „sicheren Herkunftsstaaten“ erklärten Ländern vorherrschen. Desweiteren berichtet die Gruppe über die Situation der Transitflüchtlinge an den dortigen EU-Außengrenzen sowie im Landesinneren von Serbien und Mazedonien. Neben dem Umgang mit den sog. Balkanflüchtlingen im Asylverfahren in Deutschland wird an diesem Abend auch über deren Lebenssituation in den Herkunftsländern berichtet. Außerdem werden Informationen zu den aktuellen Asylrechtsverschärfungen gegeben, von denen insbesondere Flüchtlinge aus den sog. „sicheren Herkunftsstaaten“ betroffen sind.
Die Veranstaltungen werden unterstützt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Die Anstifter e.V.

Die nächsten Veranstaltungen:

Mi, 11.11., 19.30 Uhr, Ulm, Haus der Begegnung, Grüner Hof 7. In Kooperation mit dem Flüchtlingsrat Ulm / Alb-Donau-Kreis
Flyer zur Veranstaltung: 2015-11-11 VA Roma Ulm Sichere Herkunftslaender_Flyer_A5_e2 (3)

Di, 17.11., 20.00 Uhr, Reutlingen, Kulturzentrum franz.K., Unter den Linden 23
Flyer: 2015-11-17 VA Roma Reutlingen und Link zu dieser Veranstaltung

Mi, 25.11., 20.00 Uhr, Freiburg, Fabrik, Habsburgerstr. 9
2015_11_26 VA Roma Freiburg

Di, 01.12., 19.30 Uhr, Stuttgart, Stiftung Geißstraße, Geißstr. 7, Stiftungssaal, 1. Stock. In Kooperation mit for your interest und der Stiftung Geißstraße
2015-12-01 VA Roma Stuttgart

Die langen Schatten einer Abschiebung

*** Vater der aus Konstanz abgeschobenen Familie O. wird in Mazedonien von einer Sonderstaatsanwaltschaft stundenlang zur Nennung von Fluchtgründen im Asylverfahren in Deutschland verhört. *** Pässe nicht rechtmäßig zurück erhalten und verfassungswidrig eingezogen. ***

In den Nachtstunden des 20. Mai 2014 verschafften sich Polizeibeamte im Erdgeschoss in der Konstanzer Steinstraße mit einem vom Landratsamt Konstanz ausgehändigten Schlüssel Zutritt zum Zimmer der Familie O. aus Mazedonien. Rund zwei Dutzend Polizeibeamte begleiteten den Einsatz. Eltern und vier minderjährige Mädchen wurden aus dem Schlaf gerissen, mussten in 20 Minuten packen und wurden nach Stuttgart verbracht und vom dortigen Flughafen nach Skopje abgeschoben. Ein alltäglicher Vorgang überall in der Republik.

Dennoch prüft derzeit ein Konstanzer Rechtsanwalt wie die Reisepässe der Familie O. von der Bundespolizeiinspektion am Flughafen in Stuttgart nach der Kennzeichnung „abgeschoben“ zu den mazedonischen Behörden gelangte. Die Familie O. jedenfalls erhielt ihre Pässe erst über ein Jahr später, im Juni 2015 auf der Polizeiwache in Strumica im südöstlichen Verwaltungsbezirk Mazedoniens, wo die Familie nun lebt. Dieses Einbehalten der Pässe verstößt gegen die Menschenrechte und ein entsprechendes Gesetz wurde vom mazedonischen Verfassungsgericht bereits im Sommer 2014 als verfassungswidrig verworfen. Rund ein Jahr lang hielten die mazedonischen Behörden menschenrechts- und verfassungswidrig die Pässe der Familie O. dennoch zurück.

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Keine Medikamente in Bujanovac: Schlaganfall nach Ausreise

Es war kein guter Start für Familie S. aus der Konstanzer Steinstraße in Bujanovac in Südserbien. Der Vater hält Bilder von der Kernspintomographie gegen das Licht des Fensters. Sie sind vom Klinikum aus Skopje im nahen Nachbarland Mazedonien. Auf dem Sofa liegt die Großmutter der Familie S., die nur eine Woche nach den Strapazen der „freiwilligen“ Ausreise nach Serbien einen Schlaganfall erlitten hat. Die 57-jährige kann aufgrund des Schlaganfalls nicht mehr sprechen und halbseitige Lähmungserscheinungen verhindern, dass sie selbstständig zur Toilette oder auch nur aufstehen kann. Sie ist ein Pflegefall, die ganze Familie hilft.

Der Runde Tisch zur Begleitung von Flüchtlingen der Stadt Konstanz hatte aufgrund der chronischen Erkrankung und eines Notfalls der Frau bereits zu Jahresbeginn in Konstanz um die Aussetzung der Abschiebung ersucht. Anfang Juni musste sie aber mit der Familie ausreisen. Die Alternative zur Ausreise wäre die polizeiliche Abschiebung gewesen. Mehr wollten die Behörden nicht zugestehen obwohl die Richtlinien des baden-württembergischen Innenministeriums in solchen Fällen ein Abschiebehindernis auf dem Papier anerkennen. Sicher wird nun ein unmittelbarer Zusammenhang des Schlaganfalls mit der Ausreise bestritten werden. Die zeitliche Nähe ist aber nicht von der Hand zu weisen und die Folgen für die Frau und die Familie sind nun existenziell.

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9.10.15 – Besuch bei Familie G. in Westmazedonien

Von Südmazedonien fahren wir in den Nordwesten des Landes. Wir erreichen eine kleine Stadt, die sehr idyllisch zwischen Bergen und Seen liegt. Hier könnte man sich auch gut vorstellen Urlaub zu machen.
Familie G. empfängt uns herzlich in ihrem Haus und erzählt über ihre Zeit in Deutschland und ihrer Lebenssituation vor Ort. Zwölf Jahre hätten sie insgesamt in Deutschland gelebt und ihr jüngster Sohn sei sogar in Deutschland geboren worden (die beiden anderen Kinder waren vier und fünf Jahre alt, als sie nach Deutschland geflüchtet sind). Besonders für die Kinder sei die Abschiebung ein schlimmes Ereignis gewesen. Sie gingen in Deutschland zu Schule, hatten deutsche Freunde und kannten das Leben in Mazedonien kaum. Der ältere Sohn erzählt uns, er habe nach der Abschiebung ein halbes Jahr lang das Haus nicht verlassen. Er kannte niemanden, hatte Angst vor Übergriffen und sprach nur schlecht mazedonisch und kein albanisch. Wir sind schockiert über Geschichten wie diese (die es leider zu tausenden gibt). Ein Land das Probleme mit dem demographischen Wandel hat und Fachkräfte sucht, schiebt gut integrierte Kinder ab die jahrelang gute Schüler_innen in Deutschland gewesen sind.

Anschließend führt uns der Vater der Familie durch seine Stadt. Er zeigt uns den Markt, Kirchen, aber auch Gaststätten die nicht von Roma besucht werden dürfen. Als es dunkel wird, führt er uns zu einem abgebrannten Haus hinter dem drei Zelte stehen. Drei Romafamilien müssten nun in Zelten leben, seitdem ihr Haus abgebrannt sei. Ein Mann öffnet eines der Zelt und spricht uns auf Deutsch an. Er erzählt von seiner Zeit als Asylbewerber in Dresden und seiner Angst vor dem bevorstehenden Winter. Seine Bemühungen als Roma ohne Geld eine kleine Wohnung durch die Gemeinde zu erhalten, seien leider nutzlos gewesen und er wisse nicht was er machen soll, wenn es wirklich kalt wird (hier sinken die Temperaturen im Winter bis auf -20 Grad) . Mehrfach bittet er uns darum in Deutschland über seine Geschichte zu berichten.
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Vielen Dank für die Spenden!

Unsere Balkanreise ist erfolgreich zu Ende gegangen. Wir sind zurück in Deutschland. An dieser Stelle möchten wir uns zunächst herzlich bei den zahlreichen Spender/innen bedanken, die uns insgesamt bisher knapp 3.000 Euro gespendet haben. Im Laufe der Reise konnten wir dadurch den von uns besuchten Familien mit Zuschüssen zum Lebensunterhalt helfen. Das Geld kann von den Familien wirklich dringend gebraucht werden. Nach Abschluss der Reise wollen wir diese Familien (und auch andere, die wir nicht besucht haben) weiterhin auf verschiedene Weise unterstützen, damit sie halbwegs überleben können. Weiterlesen Vielen Dank für die Spenden!

8.10.15 Radovis – Nicht prekär, sondern lebensgefährlich

In einem Raum ist das Dach eingestürzt, im einzig bewohnbaren Zimmer wölbt sich die Decke bereits bedrohlich. Die Unterbringung der im Juni aus Konstanz „freiwillig“ nach Mazedonien zurück gekehrten Familie K. ist nicht prekär, sondern lebensgefährlich.

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