9.10.15 – Besuch bei Familie G. in Westmazedonien

Von Südmazedonien fahren wir in den Nordwesten des Landes. Wir erreichen eine kleine Stadt, die sehr idyllisch zwischen Bergen und Seen liegt. Hier könnte man sich auch gut vorstellen Urlaub zu machen.
Familie G. empfängt uns herzlich in ihrem Haus und erzählt über ihre Zeit in Deutschland und ihrer Lebenssituation vor Ort. Zwölf Jahre hätten sie insgesamt in Deutschland gelebt und ihr jüngster Sohn sei sogar in Deutschland geboren worden (die beiden anderen Kinder waren vier und fünf Jahre alt, als sie nach Deutschland geflüchtet sind). Besonders für die Kinder sei die Abschiebung ein schlimmes Ereignis gewesen. Sie gingen in Deutschland zu Schule, hatten deutsche Freunde und kannten das Leben in Mazedonien kaum. Der ältere Sohn erzählt uns, er habe nach der Abschiebung ein halbes Jahr lang das Haus nicht verlassen. Er kannte niemanden, hatte Angst vor Übergriffen und sprach nur schlecht mazedonisch und kein albanisch. Wir sind schockiert über Geschichten wie diese (die es leider zu tausenden gibt). Ein Land das Probleme mit dem demographischen Wandel hat und Fachkräfte sucht, schiebt gut integrierte Kinder ab die jahrelang gute Schüler_innen in Deutschland gewesen sind.

Anschließend führt uns der Vater der Familie durch seine Stadt. Er zeigt uns den Markt, Kirchen, aber auch Gaststätten die nicht von Roma besucht werden dürfen. Als es dunkel wird, führt er uns zu einem abgebrannten Haus hinter dem drei Zelte stehen. Drei Romafamilien müssten nun in Zelten leben, seitdem ihr Haus abgebrannt sei. Ein Mann öffnet eines der Zelt und spricht uns auf Deutsch an. Er erzählt von seiner Zeit als Asylbewerber in Dresden und seiner Angst vor dem bevorstehenden Winter. Seine Bemühungen als Roma ohne Geld eine kleine Wohnung durch die Gemeinde zu erhalten, seien leider nutzlos gewesen und er wisse nicht was er machen soll, wenn es wirklich kalt wird (hier sinken die Temperaturen im Winter bis auf -20 Grad) . Mehrfach bittet er uns darum in Deutschland über seine Geschichte zu berichten.
Ausführlicher Bericht folgt.

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